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Welche Zahlen wir (noch) nicht auswerten

Vier parallele Recherchen, alle Werte an den Originalquellen geprüft. Dieses Dokument hält fest, was wir nicht auswerten und warum — damit die nächste Runde nicht dieselben Wege noch einmal geht.

Stand des Bestands beim Schreiben: 23 Finanz-Tabellen, 899 Anlagen mit Volltext. Was wir bereits haben, steht in Haushalt.

Zwei Recherchen fanden unabhängig voneinander dieselbe Zahl: Die Bilanz der Stadt weist zum 31.12.2024 Geldschulden von 43.690.971,71 € aus, die Bundesstatistik für den Kernhaushalt 43.690.972 €. Zwei Quellen, ein Cent Rundung. Wo zwei unabhängige Wege zur selben Zahl führen, trägt sie.

Warum man über Oldenburgs Schulden drei verschiedene Zahlen hört, und alle drei stimmen — je nach Abgrenzung:

Abgrenzung 31.12.2024 je Einwohner Haben wir?
Kernhaushalt, Investitionskredite 43,69 Mio € 248 € nein
Stadt als Rechtsträger inkl. Eigenbetriebe 294,9 Mio € 1.673 € ja (Jahrbuch 1108)
Integriert inkl. Extrahaushalte + Beteiligungen 740,33 Mio € 4.198 € nein

Quelle der dritten Zahl: Statistikportal, „Integrierte Schulden der Gemeinden und Gemeindeverbände“, Blatt NI, ARS 034030000000. DL-DE/BY-2.0.

Zwingend daneben: 431,5 der 740 Mio € (58 %) stammen aus Beteiligungen unter 50 %. Der Tabellenband schreibt selbst, das erlaube „keine Rückschlüsse auf eine mögliche Haftung“. Der Satz „Oldenburg hat 740 Mio € Schulden“ wäre falsch. Und: keine Zeitreihe daraus bauen — der Berichtskreis wechselt, die Publikation warnt davor.

Wir zeigen Schulden und die laufende Rechnung. Die Vermögensseite fehlt komplett.

Zum 31.12.2024: Eigenkapital 926,87 Mio € · Sachvermögen 605,57 Mio € · Rückstellungen 337,21 Mio €, davon Pensionsrückstellungen 311,79 Mio € (das Siebenfache der Kreditschulden, +21 Mio €/Jahr) · Bilanzsumme 1.479,99 Mio €.

Vier Proben, alle bestanden: Aktiva = Passiva auf den Cent in allen acht Jahrgängen · gedruckte Bilanzsumme als dritte Bestätigung (2017–2020) · Vorjahreskette über Dokumentgrenzen (63 Prüfungen, 63 Treffer) · die sieben Kennzahlen, die die Stadt im Rechenschaftsbericht selbst rechnet, ergeben sich exakt aus der geparsten Bilanz.

Neun Bilanzstichtage 2016–2024, lückenlos. Layout wechselt 2021 (römische → arabische Ziffern, Aktiva-Block → zweispaltig verschränkt) — ein Parser braucht beide Zweige.

Ehrlichkeitsauflage: Die Schulden springen 2024 von 84,4 auf 207,1 Mio €. Das ist ein Buchungsartefakt (Cash-Pooling, 138,2 Mio € Bilanzverlängerung mit Gegenposten auf der Aktivseite); das Dokument erklärt es in 6.2.3/6.2.7 selbst. Ohne diesen Text wäre die Zahl still falsch.

Wir zeigen die Ergebnisrechnung. Für 2024 weist die Stadt 6,1 Mio € Jahresüberschuss aus — und hatte am Jahresende 22,4 Mio € weniger Geld. Beides steht im selben Dokument, beides stimmt. Wer nur unsere Zahl sieht, bekommt den falschen Eindruck.

2024: Saldo laufende Verwaltungstätigkeit +58,30 Mio € · Investitionstätigkeit −80,68 Mio € · Fehlbetrag −22,38 Mio € · Auszahlungen für Investitionen 96,37 Mio € (dazu 58,77 Mio € Ermächtigungen aus Vorjahren — die Antwort auf „warum wird das Geplante nicht gebaut?“).

Bester Aufwand-Nutzen-Schnitt im ganzen Bericht: Die Finanzrechnung hat dieselbe Tabellengrammatik wie die Ergebnisrechnung, die council/finanzberichte.py schon parst. Belegt: _posten_aus_block() unverändert darauf angesetzt → 30 Posten, 7/7 Proben für 2021, 2022, 2024. 2017–2020 fallen durch (anderer Tabellenkopf).

Die stärkste Probe überhaupt: Posten 41 „Endbestand an Zahlungsmitteln“ = Bilanzposition „Liquide Mittel“, exakt in allen acht Jahrgängen. Bilanz und Finanzrechnung tragen sich gegenseitig.

Rang 4 — Ausgaben, die nicht im Haushalt standen

Abschnitt betitelt „Rang 4 — Ausgaben, die nicht im Haushalt standen“

Zwei Recherchen fanden das unabhängig. Über- und außerplanmäßige Bewilligungen nach § 117 NKomVG:

Jahr insgesamt davon Rat
2022 26,97 Mio € 23,83 Mio € (88 %)
2023 40,24 Mio € 33,87 Mio € (84 %)
2024 57,49 Mio € 42,17 Mio € (73 %)

Die Summe hat sich in drei Jahren mehr als verdoppelt, der Anteil mit Ratsbeschluss ist gefallen. Wer nur die Ratsbeschlüsse zeigt, zeigt eine schrumpfende Teilmenge, als wäre sie das Ganze.

Die Probe ist die härteste im Bereich: Der Rechenschaftsbericht nennt dieselben Fälle mit Vorlagennummern, also mit direktem Join-Schlüssel. Abgleich: 2022 Abweichung 0,00 €, 2023 100 €, 2024 +2,19 %. Fallzahlen exakt in allen drei Jahren.

Fallen: Verpflichtungsermächtigungen gehören nicht in die Summe (der Bericht zählt sie separat) · Sitzungsdatum ≠ Haushaltsjahr (Januar-Beschlüsse zählen zum Vorjahr; naiv summiert liegt man 20–27 % daneben) · die Sammelberichte tragen Schwellenwerte, keine Beträge.

Nebenbefund: In acht Jahren wurde keine einzige Nachbewilligung abgelehnt — 128 angenommen im Rat, 128 im Ausschuss, 0 abgelehnt.

Rang 5 — Fast geschenkt: 54 Jahre Ausgaben (umgesetzt)

Abschnitt betitelt „Rang 5 — Fast geschenkt: 54 Jahre Ausgaben (umgesetzt)“

Erledigt. Die Reihe steht seit 08/2026 auf /haushalt; Technik und Proben in Haushalt. Was die Recherche gefunden hatte und was die Umsetzung daraus gemacht hat:

  • Der Versatz von 0,03–0,05 % gegen council_income_statement war keine Unschärfe, sondern eine Abgrenzung: Die Statistik zählt die Gesamtergebnisrechnung (Kernhaushalt und nicht rechtsfähige Stiftungen), unser Parser die Ergebnisrechnung der Kernverwaltung. Der Rechenschaftsbericht rechnet die Differenz selbst vor. Gegen die Gesamtergebnisrechnung stimmt die Statistik auf den Tausender genau.
  • Der 2021er-Widerspruch ist schärfer als gedacht: 613.571.622,10 € ist auf den Tausender genau der Ansatz des Jahres — in der Tabelle des Jahresabschlusses die Spalte links vom Ergebnis. Im CSV ist dort eine Spalte verrutscht. Auflösen lässt sich das ohne den Jahresabschluss, weil die CSV-Zeile ihre eigene Pro-Kopf-Rechnung nicht erfüllt.
  • 2025 liefert die Reihe wie erwartet — Monate vor dem Jahresabschluss.

Rang 6 — Trifft die Stadt ihre Steuerschätzung?

Abschnitt betitelt „Rang 6 — Trifft die Stadt ihre Steuerschätzung?“

Jahrbuch 1103 stellt je Steuerart Plan neben Ist:

Gewerbesteuer Plan Ist
2023 124,2 Mio € 176,8 Mio € +42,3 %
2024 133,4 Mio € 202,9 Mio € +52,1 %
2025 155,5 Mio € 222,1 Mio € +42,8 %

Drei Jahre über 40 % Unterschätzung ist ein Muster, keine Schwankung. Weder council_income_budget noch council_income_statement schlüsseln Steuern auf — die Plan-Seite je Steuerart haben wir nirgends.

  • Bürgschaften 220,3 Mio € (31.12.2024), das Fünffache der eigenen Geldschulden. Jahresabschluss 6.2.10. Zwei Darreichungsformen: 2019/2020 exakte Tabellenwerte, ab 2021 nur gerundeter Fließtext. Die Bilanzposition „Rückstellungen für drohende Verpflichtungen aus Bürgschaften“ (1,3 Mio €) ist etwas anderes — der erwartete Ausfall, nicht das Volumen.
  • Substanzverlust am Straßennetz — das Wort ist das der Stadt. Straßen, Wege, Plätze: 210,9 (2016) → 133,3 Mio € (2024) Buchwert, rund −9,6 Mio € pro Jahr. Die Aufschlüsselung fehlt für 2019/2020; die Gesamtsumme steht in allen acht Jahrgängen in der Bilanz.
  • Kennzahlenübersicht der Stadt (Rechenschaftsbericht) — 13 Kennzahlen mit der Rechenvorschrift der Stadt daneben, damit ist die Regel „keine selbst behaupteten Ziele“ zwangsläufig erfüllt. 2018–2024 lückenlos.
  • Konzernbilanz + Kapitalflussrechnung — 11 Jahrgänge 2014–2024. Wir parsen aus diesen Dokumenten heute nur die Gesamtergebnisrechnung.
  • Hebesätze seit 1980 (Jahrbuch 1105), nur die neun Änderungsjahre. Falle: „+21 % Grundsteuer B 2025“ allein wäre irreführend — das Aufkommen sank im selben Jahr um 4,6 %, weil die Reform die Messbeträge umstellte.
  • Spenden an die Stadt — 215 Beschlusszeilen, 213 mit Betrag, lückenlos monatlich seit 2018. 2025: 788.669 €. Die Spendernamen stehen nur in der Anlage.
  • Zensus 2022: Oldenburg 172.759 — und damit einer der wenigen Gewinner (+0,84 %), während Niedersachsen 2,11 % verlor. Wirkung auf Pro-Kopf-Werte: −0,83 %.
  • Finanzausgleich: 452 €/Einwohner, drittniedrigste Zuweisung in Niedersachsen — weil Oldenburg die dritthöchste Umlagekraft hat. Erklärt in einem Satz, warum ein steuerstarker Nachbar weniger bekommt.

„Schulden je Einwohner“ (zeigen wir bereits) enthält zwei künstliche Sprünge, weil der Nenner revidiert wurde:

  • 2011→2012: Einwohnerzahl −4.371 (Zensus 2011), Pro-Kopf springt 996 → 1.121 €
  • 2022→2023: Einwohnerzahl +4.079 (Zensus 2022), Pro-Kopf sinkt 1.652 → 1.616 € — obwohl die Schulden von 281,5 auf 281,9 Mio € stiegen

2023 sieht nach Entspannung aus, ohne dass sich etwas entspannt hat. Kostet eine Fußnote.

  1. MAX_TEXT = 400.000 Zeichen (scripts/backfill_anlagen_texte.py) kappt alle acht Jahresabschlüsse. Abgeschnitten wird ausgerechnet Abschnitt 8 „Anlagen zum Anhang“ — Anlagen-, Forderungs-, Schulden- und Rückstellungsübersicht.
  2. Fünf Rechenschaftsberichte (2017–2021) liegen als Anlage vor, wurden aber nie geladen (status='listed', leerer raw_text): Dokumente 192336, 205649, 219465, 238770, 250437. Ein Backfill verlängert die Kennzahlenreihe bis etwa 2013.

Quellen ohne Oldenburg-Bezug — jeweils an der Quelle geprüft, nicht vermutet:

  • Deutsche Bundesbank: Der Dataflow BBGFS1 hat keine Regionaldimension. Bund/Länder/Gemeinden als Ebenen, nicht als Einzelkörperschaften. Kein Weg zu Oldenburg.
  • Destatis Fachserie 14/5: „Oldenburg“ kommt auf 260 Seiten null mal vor; die Reihe endet mit Berichtsjahr 2021.
  • KfW-Kommunalpanel: nur Größenklassen, „Niedersachsen“ null Treffer. Anonymisierte Kämmerei-Befragung, Einzelkommunen methodisch ausgeschlossen.
  • KGSt-Vergleichsdatenbank: selbst mit Mitgliedschaft anonymisiert.
  • Bertelsmann Kommunaler Finanzreport: Oldenburg auf 122 Seiten kein einziges Mal.
  • haushaltssteuerung.de: rechtlich gesperrt — Impressum verbietet Nachnutzung ohne Genehmigung.
  • offenerhaushalt.de: eingestellt.

Aus dem eigenen Bestand nicht zu holen:

  • Haushaltsanträge der Fraktionen mit Beträgen — die beste Frage überhaupt („wer wollte was streichen, um wie viel“). Die Anträge existieren als 171 subvote-Zeilen mit Urheber und Ergebnis, die Beträge stehen nur in Anlagen-PDFs, die nie geladen wurden (status='listed', LENGTH(raw_text)=0). Kandidaten: 196997/196998 (HH 2019), 210921–210923 (HH 2020), 227863–227869 (HH 2021). Trägt ein Ladetest, ist das der größte ungehobene Fund.
  • Vergaben: 40 Beschlusszeilen, fast alle Fehltreffer („Vergabe von Kindergartenplätzen“). Echte Auftragsvergaben laufen nicht über öffentliche Ratsbeschlüsse.
  • Grundstückspreise: 131 Zeilen, nur 17 mit Betrag — der Preis steht im nichtöffentlichen Teil.
  • Beträge aus Wortbeiträgen: LLM-referierte Zusammenfassungen, keine Wortlaute. Zur Illustration: ein Beitrag zur Stadionfinanzierung extrahiert als 453.000.000 €.
  • Rückstellung „unterlassene Instandhaltung“ (0,5 Mio €) klingt nach Sanierungsstau, erfasst aber nur rechtlich nachzuholende Instandhaltung. Als Sanierungsstau gezeigt wäre sie um Größenordnungen irreführend.
  1. Es gibt kein Jahrbuch-Archiv. Nur die jeweils neueste Ausgabe liegt online, das Internet Archive hat vom Statistik-Verzeichnis null Schnappschüsse. Tabellen mit nur drei Jahrgängen (1103, 0803) verlieren jedes Jahr ihr ältestes unwiederbringlich.

    Erledigt seit 17.08.2026: scripts/archive_statistik.py sichert die Quellen täglich versioniert unter data/archiv/ (447 Dateien, 77 MB im Erstlauf) — siehe Betrieb. Ab jetzt wächst die Reihe, statt zu schrumpfen.

  2. Zwei Datenfehler in amtlichen Quellen gefunden: im 1102-CSV steht für 2021 der Ansatz statt des Ergebnisses (s. o.), und in der LSN-Datei „Kommunale Finanzen 2024“ steht ein Braunschweiger Wert in Oldenburgs Zeile. Externe Quellen brauchen Plausibilisierung wie unsere eigenen.

Unproblematisch: 89 von 91 Open-Data-Sätzen DL-DE/BY-2.0 (Wohngeld sogar DL-DE/Zero), Statistikportal DL-DE/BY-2.0, Wegweiser Kommune CC0, LSN mit ausdrücklicher Weiterverbreitungserlaubnis. Die Namensnennung nach dl-de/by-2-0 verlangt drei Teile: Bereitsteller, Lizenzvermerk mit Link, Datensatz-URI.

Nicht geklärt und deshalb nur verlinken statt spiegeln: Prüfungsmitteilungen der Landesbehörde und der LRH-Kommunalbericht.